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Projektinfo

Im Rahmen der Planungen für die im Jahr 2009 startende Dorferneuerung in Hirschfeld, kam wegen der stetig anwachsenden Energiepreise die Idee auf, das 497 Einwohner zählende Dorf in der Gemeinde Steinbach am Wald über eine zentrale Hackschnitzel-Heizung mit Wärme zu versorgen. Ende des Jahres 2007 wurde dann eine erste Informationsveranstaltung im Jugendheim in Hirschfeld durchgeführt. Die Referenten waren Wolfgang Degelmann und Matthias Böhm von der “Energievision Frankenwald”.

 

13 der 25 Teilnehmer traten einem Arbeitskreis bei, der sich um das Projekt Dorfheizung kümmert. Anfang des Jahres 2008 wurde dann durch den Arbeitskreis, welcher von Wolfgang Degelmann und Matthias Böhm beraten wurde, eine Fragebogenaktion durchgeführt. Diese sollte klären ob  überhaupt  Interesse bei der Bevölkerung zum Vorhaben Dorfheizung besteht.


Bei der Fragebogenaktion wurde der Energieverbrauch und die Anschlussbereitschaft im Dorf festgestellt. An der ersten Dorfversammlung im April 2008 wurden dann die Ergebnisse der Fragebögen durch Herrn Degelmann und Herrn Böhm, welche auch die Auswertung durchführten, der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Ergebnis war sehr positiv, denn 60% der Haushalte erklärten ihre Anschlussbereitschaft an eine gemeinsame Dorfheizung, 24% der Haushalte wollten mehr Informationen über das Projekt. Des weiteren wurde über den Energieverbrauch des Ortes, einen möglichen Verlauf des Nahwärmenetzes, den benötigten Holzbedarf und einen Kostenvergleich verschiedener Heizungsanlagen informiert. Zu Ende der Dorfversammlung stand fest, dass man das Projekt auf jeden Fall weiterverfolgen sollte. Deswegen wurden die Planungsgruppen Recht, Öffentlichkeitsarbeit, Holzbeschaffung/-lagerung und Technik ins Leben gerufen, die sich weiter mit der Projektplanung beschäftigen sollen. Es erklärten sich auch gleich ca. 20 Hirschfelder bereit in den Planungsgruppen mitzuwirken. An der ersten Sitzung der Planungsgruppen wurde dann ein Termin für eine Informationsfahrt festgelegt, diese solle zu verschiedenen Heizwerken führen, um sich ein Bild über die Grösse solcher Anlagen zu machen. Der Termin wurde auf 05.07.08 festgelegt. In den 8 Wochen bis zur Informations Fahrt wurden zahlreiche Sitzungen der Planungsgruppen abgehalten, in denen Verträge ausgearbeitet, mögliche Standorte erkundet und der erste Energierundbrief in der Bevölkerung verteilt wurde. Als Anhang an den Rundbrief wurde ein Fragebogen verteilt, in dem festgestellt werden sollte wieviel Holz die einheimischen Waldbesitzer pro Jahr liefern könnten.


Zur Informationsfahrt am 5.Juli brachen 35 interessierte Mitbürger auf. Der Weg führte uns zu Heizwerken nach Sesslach, Burg Feuerstein, Pegnitz und Naila. Die Fahrt war sehr aufschlussreich, da noch viele offene Fragen geklärt werden konnten. Interessant zu sehen war, dass ein Heizwerk direkt ins Wohngebiet gebaut ( wie in Pegnitz ), keinerlei Störung für die Anwohner verursacht. Die Fahrt dauerte von 7.00 - 20.00 Uhr.

Am Dienstagabend 07.07.08 wurde zur zweiten Dorfversammlung zum Thema "Dorfheizung" ins Sportheim eingeladen. Dort wurden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen vorgestellt. Nach einer kurzen Einführung durch Wolfgang Degelmann von der Energievision Frankenwald berichtete Georg Fröba über die Details der gemeinsamen Besichtigungsfahrt: " Jede der drei Anlagen hat ihre besonderen Qualitäten, und von jedem Betreibcr konnten wir viel lernen." Am meisten begeisterte die Besucher der reibungslose Ablauf der Hackschnitzelversorgung, das völlige Fehlen von Lärm-und Geruchsemissionen in allen drei Heizwerken sowie die hohe Akzeptanz der Bevölkerung vor Ort für diese Art der Wärmeversorgung. Johann Kolenda hat
über die ganze Fahrt einen Film gedreht, der im Hirschfelder Dorffernsehen zu sehen ist. Andre Löffler von der Arbeitsgruppe Technik referierte über die derzeitige Standortdiskussion für das geplante Heizwerk: “ Zwei Standorte im Osten und Westen von Hirschfeld stehen zur Auswahl und werden auf ihre Eignung hin überprüft."Tobias Herrmann, Jurist aus Hirschfeld, informierte über die Notwendigkeit einer gemeinsamen Gesellschaft für die Planung und Durchführung einer Machbarkeitsstudie. " Zwei Voraussetzungen sind für eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts notwendig", so Herrmann. " Ein gemeinsamer Zweck muss verfolgt werden, und dieser muss durch finanzielle Beiträge gefördert werden. Und das ist bei unserem Projekt zu 100 Prozent der Fall." Wolfgang Degelmann stellte den vorbereiteten Gesellschaftsvertrag sowie die Beitrittserklärung zur Gründung der Dorfheizung Hirschfeld GbR vor.

" Mit 100 Euro sind Sie dabei!" so Degelmann." Und das Ziel zur gemeinsamen Dorfheizung rückt einen grossen Schritt näher." 27 Versammlungsteilnehmer traten sofort der neu gegründeten Gesellschaft mit ihrer Einlage bei, alle anderen Interessenten erhalten in den nächsten beiden Wochen die Beitrittserklärung und den Gesellschaftsvertrag. Sie alle ermöglichen so die Durchführung der Machbarkeitsstudie durch Ingenieurbüros, die von der Direktion für ländliche Entwicklung bezuschusst wird. Wolfgang Degelmann und Matthias Böhm bedankten sich zum Abschluss der Veranstaltung bei den Hirschfeldern für das große Engagement und die hervorragende Zusammenarbeit.Zu Geschäftsführern der Gesellschaft wurden Reiner Wicklein, Tobias Herrmann und Sibylla Ettlich gewählt.

Durch die positive Resonanz an der 2.Dorfversammlung wurden nun die Planungen ausgeweitet und einige Streckenverläufe optimiert. Im weiteren wurde die Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben,da genügend Gesellschafter der GbR beigetreten waren und somit die Finanzierung gesichert war.

Es funktioniert, sagte Wolfgang Degelmann am Donnerstagabend bei einer Informationsveranstaltung zum Thema Nahwärmekonzept Dorfheizung Hirschfeld. Dabei machten die Hirschfelder den entscheidenden Schritt in Richtung Bioenergiedorf. Die Versammlung beauftragte die Dorfheizung Hirschfeld GbR, die nötigen Fördermittel zu beantragen. Reicht die Anzahl der Teilnehmer aus? Müssen Abstriche gemacht werden? Können wir den Preis von 7,5 Cent pro Kilowattstunde halten? Dies waren einige der wichtigen Fragen, die man mit der Veranstaltung klären wollte, erläuterte Tobias Herrmann in seiner Begrüßung im Hirschfelder Sportheim. Wie Wolfgang Degelmann von der Energievision Frankenwald erklärte, habe man die Zahlen mit den Ingenieurbüros durchgesprochen und zudem den Rotstift bei den Betriebskosten angesetzt. Jetzt könne man die Aussage machen: Es funktioniert! Man habe nun 47 Wärmekunden beisammen, zwar bei weitem nicht die große Zahl wie gewünscht, aber ausreichend. Möglicherweise könne man als zusätzlichen Kunden noch die Kirche gewinnen. Das hier wird jetzt wirklich ein Dorfprojekt, da muss viel Eigenleistung eingebracht werden, machte Wolfgang Degelmann klar.


Kleiner dimensioniert

Der Standort des Heizwerks sei unverändert, allerdings sei es jetzt kleiner dimensioniert, also für 47 anstatt der erhofften 80 Kunden ausgelegt. Damit sei nun auch die Luft für größere Erweiterungen raus, stellte Wolfgang Degelmann klar. Er erläuterte die geplante Finanzierung des Projekts mit einer Gesamtsumme von 1,12 Millionen Euro. Dabei betragen die Investitionskosten für das Gebäude mit Grunderwerb 120 000 Euro, Heiztechnik 250 000 Euro, Tiefbau für Wärmenetz 450 000 Euro, Rohrleitungen 190 000 Euro; Hausinstallationen 90 000 Euro und Planungskosten 100 000 Euro. An Fördermittel erhalte man 328 000 Euro von der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Der Fremdkapitalbedarf betrage 477 000 bei einem derzeit sehr niedrigen Zinssatz. In die Finanzierung fließen zudem die Genossenschaftseinlage von 90 000 Euro und die Anschlussgebühr, die sich aus der Summe der Haushalte berechnet, von 225 000 Euro ein. An betriebsgebundenen Kosten habe man jährlich Ausgaben von insgesamt 14 000 Euro. Der Brennstoffbedarf betrage 2475 Schüttraummeter. Pro Raummeter werde derzeit mit 14 Euro gerechnet. Insgesamt, inklusive Entsorgung, liege man hier bei 39 000 Euro. Bei sonstigen Kosten wie Beiträge und Mitgliedschaften fallen 6250 Euro an. Den jährlichen Kosten von 92 572 Euro stehen damit jährliche Einnahmen von 94 000 Euro entgegen.

Dabei habe man einen Wärmepreis von 7,4 Cent pro Kilowattstunde angenommen bei einer absetzbaren Wärmemenge von 1,493 Millionen Kilowattstunden. Man habe es also geschafft, den angestrebten Wärmepreis zu erreichen. Komme die Kirche noch dazu, verringere sich der Preis auf zirka 7,25 Cent. Wir raten Ihnen weiter zu machen, richtete Degelmann das Wort an die Versammlung. In den nächsten Schritten soll die GbR die Förderung beantragen. Dann soll die Gründung der Betreibergesellschaft vorbereitet werden, die am Tag der Förderzusage tatsächlich aus der Taufe gehoben wird. Nach dem Erhalt des Förderbescheids erfolgen Detailplanung, Ausschreibung, der Bauantrag für das Heizwerk und danach könne mit dem Bau begonnen werden. Wenn man den 1. Oktober 2009 halten wolle, dann müsse es superschnell gehen, erklärte Degelmann. In der Diskussion konnten Wolfgang Degelmann und Matthias Böhm zahlreiche Fragen klären. Sie haben keine Nachschusspflicht, erklärte Degelmann, alle Ansätze bis auf die Geschäftsführung, hätten rund zehn Prozent Luft. Er erklärte, dass nach der Ausschreibung noch ein Ausstieg aus dem Gesamtprojekt möglich wäre. Bis dahin hätte man nur die Kosten für die Genossenschaftsgründung in Höhe von rund 2000 Euro zu tragen, also rund 50 Euro pro Person.



In Hirschfeld haben die Bauarbeiten zur gemeinsamen Dorfheizung begonnen.
Als erstes werden die Wärmeleitungen verlegt. Schon vor dem Winter soll das warme Wasser fließen. Bei der Verwirklichung einer gemeinsamen Heizungsanlage für Hirschfeld geht es nun Schlag auf Schlag. Vor drei Wochen wurde die "Dorfheizung Hirschfeld" als eingetragene Genossenschaft mit 47 Genossen gegründet. Sie schließt die Verträge mit den Wärmekunden ab, baut die Biomasseheizung in Hirschfeld und betreibt die Anlage und das Nahwärmenetz. In dieser Woche nun haben die Bauarbeiten im Rahmen der Dorferneuerung begonnen. Die Straße am Anger wird aufgegraben und neue Versorgungsleitungen werden gelegt. Im Zuge dieser Bauarbeiten werden im Bereich des Angers auch bereits die ersten Rohre für das Nahwärmenetz der Dorfheizung mit in den Boden eingebracht. "Ein großer Schritt auf dem Weg zur gemeinsamen Heizungsanlage auf der Basis von Hackschnitzeln ist gemacht", so Sybilla Ettlich, Vorsitzende der Hirschfelder Genossenschaft. "Nach eineinhalb Jahren Planungszeit werden jetzt Nägel mit Köpfen gemacht und die Bagger rollen für die klimafreundliche Wärme aus Holz", so Ettlich weiter. Die Mitglieder der Planungsgruppen trafen sich zusammen mit den Fachleuten der beteiligten Ingenieurbüros IVS, Markus Albrecht und Franz Berndorfer von der Berndorfer GmbH, Jan Tietz von der Firma Rehau und legten die weiteren Schritte für den Fortgang der Bauarbeiten fest.
" Ziel ist es, vor Einbruch des Winters das 85 Grad heiße Wasser durch das isolierte Rohrsystem zu pumpen und so die Heizungen in den Häusern mit Wärme zu beliefern" so Matthias Böhm von der Energievision Frankenwald. Nach dem Verlegen der Rohre am Anger werden dann die anderen Straßenzüge in Hirschfeld, die nicht im Rahmen der Dorferneuerung umgebaut werden, mit den entsprechenden Rohrleitungssystemen versehen und die einzelnen Grundstücke Haus für Haus angeschlossen und parallel dazu das Heizwerk errichtet.